Samstag, 6. August 2016

Neue Lebe(r)n?!

Eine Vernissage der ganz besonderen Art fand heute in der Kunstwerkstatt des Kultur- und Kunstkreises Wiesmoor statt.

Kinder und Jugendliche nach einer Lebertransplantation in der Medizinischen Hochschule Hannover hatten mit Hilfe einer dort angebotenen Spieltherapie einen Weg gefunden, mit der körperlichen Belastung und besonders aber auch den psychischen Beeinträchtigungen umzugehen. Mittels Malerei, Anfertigen von Kollagen und Skulpturen, die alle einen ganz speziellen Bezug zur eigenen Krankheit und Behandlung hatten, lernten die Kinder, ihre Krankheit zu verstehen, konnten die Notwendigkeit der weiteren Medikation erkennen und annehmen.

Christiane Konietzny, Erzieherin und Künstlerin, ist Teil eines sozialpädagogischen Betreuungsteams, das lebertransplantatierten Kindern und Jugendlichen, aber auch deren Eltern, auf ihrem Weg in ein "neues, anderes Leben" Fuß zu fassen.

Ein ausgelegter Flyer erläuterte Näheres:

21 Kinder und Jugendliche im Alter von 4 bis 17 Jahren stellten ihre Zeichnungen, Collagen und Skulptur in den Wochen und Monaten vor oder nach ihrer Lebertransplantation im Rahmen der Spieltherapie mit der Künstlerin und Erzieherin Christiane Konietzny her.


Grundlage jedes Werkes ist immer die Frage: Wie stellst Du Dir Deinen Körper von innen vor?
Manche der Kinder fanden ihre Antwort beim Spiel mit einer anatomischen Spielpuppe, deren Organe sie nahmen, inspizierten und abbildeten.
Eine Jugendliche nutzte das Mittel des Comics, um die Wirkung des lebensnotwendigen immunsystem­unterdrückenden Medikaments mit sich selbst zu diskutieren.

Hier und dort stellten Kinder für sich fest, dass ein Bild vom Inneren des Körpers erst nach Darstellung auch einer Umgebung vollkommen ist.

Oft fanden sie weitere "Verschönerungen" notwendig, um zufrieden zu sein. Manche nutzten ihr Bild, um gerade Erlerntes noch besser zu verstehen und ihr neues Wissen festzuklopfen.

Ein Mädchen drückte ihre Antwort in einer abstrakten Form aus. Ein anderes Kind verwob die gerade überstandene und noch nicht fassbare Lebensgefahr, Halloween und das Interesse an Anatomie zu einer einzigen Darstellung.

Immer ist das Werk Ausdruck der Persönlichkeit des Kindes und seiner gegenwärtigen Haltung. Die Herstellung ist eine lustbetonte Handlung, die in eine spielerische Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper, der eigenen Gesundheit und den zu bewältigenden Erfahrungen durch Krankheit, Transplantation und weitere medizinische Versorgung eingebettet ist.
Die Spieltherapie zur Aufklärung und Begleitung vor und nach einer Lebertransplantation in der pädiatrischen Gastroenterologie, Hepatologie und Lebertransplantation der Medizinischen Hochschule Hannover wurde 2013 von Christiane Konietzny und Prof. Dr. Ulrich Baumann gemeinsam mit dem Team der Arbeitsgruppe konzipiert .Diese Werke wurden heute bei der Vernissage in der Kunstwerkstatt vorgestellt.

Einige Bildbeispiele:


Eröffnung der Vernissage
links: Markus Zöbelein, Vorsitzender
rechts: Christiane Konietzny, Künstlerin und Erzieherin






Vernissagegäste:




Christiane Konietzny ...

... beim Vortrag
Besonders zu erwähnen ist die erfreuliche Tatsache, dass eine der transplantierten Künstlerinnen, Lina Rosenboom, bei der Veranstaltung anwesend war.

Lina Rosenboom mit Mutter Michaela Dirks
Lina vor ihrem Werk
Zum Ende der Veranstaltung gab es Kaffee und Kuchen.


Wiesmoor-info wünscht der Ausstellung einen guten Zulauf und den jungen Künstlern ein Leben ohne Beeinträchtigungen!

Ferner sind Fotografien des Fotografen Thomas Morsch zu sehen, der selber als Säugling transplantiert wurde und ohne große Beeinträchtigung aufgewachsen ist. Das Leben seiner Eltern sei aber sehr wohl komplett umgestellt worden.

Er besuchte im Rahmen dieses Kunstprojektes zwölf betroffene Familien über einen längeren Zeitraum und nahm an ihrem Alltag teil und dokumentierte fotografisch diese Situationen.

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