Sonntag, 13. September 2015

Günter Grass Wochen

Bei der Vernissage zur 45. Ausstellung im Kunsthaus Wiesmoor der Künstlervereinigung Nordbrücke wurden Kunstwerke des Literaturnobelpreisträgers, Grafikers und Bildhauers Günter Grass dem Publikum vorgestellt. Grass hatte sich nach Krieg und Gefangenschaft mit allerlei Tätigkeiten den Lebensunterhalt verdient, sich nach einem Wiederzueinanderfinden der zestreuten Familie statt für eine Bürolaufbahn  für ein künstlerisches Studium entschieden.
"Ich werde Bildhauer", äußerte er seiner Familie gegenüber und ging nach Düsseldorf. Weil die Kunstakademie noch nicht wieder eröffnet war, begann er ein Praktikum als Steinmetz und Steinbildhauer.
Im Jahr 1948 wurde er in der Kunstakademie Düsseldorf aufgenommen, wechselte aber aus der Anfängerklasse des Bildhauers Sepp Mages in die Malklasse des Otto Pankok.

Diese Verbindung zu Otto Pankok ist letztendlich auch der Grund für die jetzige Günter Grass Ausstellung in Wiesmoor.

Horst-Richard Schlösser, in Mühlheim aufgewachsen, war ein Nachbar von Otto Pankok und wegen dieser Beziehung war es ihm bereits zweimal gelungen, eine Pankokausstellung mit Holzschnitten von Otto und Ölbildern von Eva Pankok nach Wiesmoor zu holen.

Erstmals hatte Schlösser im Jahr 2013 bei Grass wegen einer Ausstellung vorgesprochen. Der wollte gute Gründe wissen, warum er nun ausgerechnet in Wiesmoor ausstellen solle. Es bedurfte noch vieler Briefe und Telefonate, aber letztendlich war die gemeinsame Verehrung Otto Pankoks wohl der Grund, warum Grass im Frühjahr 2015 zugesagt hatte. Leider ist er jedoch am 13. April 2015 verstorben.

Dank seiner Witwe und der Günter Grass Stiftung konnte die Ausstellung in Wiesmoor trotzdem stattfinden.

Horst-Richard Schlösser, Vorsitzender der Künstlervereinigung Nordbrücke, bei seiner Eröffnungsrede, in der er den Vernissagegästen seine Bemühungen, die Ausstellung nach Wiesmoor zu holen, erläuterte. Auch wies er auf die Unterstützer - Ostfriesische Landschaft, Stadt Wiesmoor und von Harten-Architekten-GmbH - hin, ohne deren Unterstützung diese Ausstellung nicht hätte stattfinden können.


Für die Musik sorgte Johannes Eidt, Künstler und Grafiker aus Osnabrück. Eidt hat ein Studio in Osnabrück und ein Studio in Tokyo. Viele Jahre lang unterrichtete er an der Universität Tokyo. Eidt erhielt 2012 das Bundesverdienstkreuz für seinen Einsatz als Vermittler zwischen den Kulturen Japans und Deutschlands. Eidt ist mit einer Japanerin verheiratet und das Paar hat zwei Söhne.


Bürgermeister Frierich Völler überbrachte die Grußworte der Stadt Wiesmoor und schlug als ehemaliger Deutschlehrer auch den Bogen vom bildenden Künstler Günter Grass zum Literaten.


Für die Einführung in die Ausstellung konnte der Autor, Kunsthistoriker,
Kunstpädagoge, freischaffender Künstler,
Illustrator und Journalist, Dr. Lübbert R. Haneborger, gewonnen werden.

Er zeichnete das Leben und Schaffen von Günter Grass auf und schaffte eine Verbindung zum Werk des vielseitig talentierten Malers, Grafikers, Bildhauers und Schriftstellers, der auch mit Böll, Richter, Johnson, Kuby und weiteren Schriftstellern zur Gruppe 47 zählte - einer Nachkriegsvereinigung junger und weitgehend unbekannter Schriftsteller. Hier trug Grass auch die Werke "Die Blechtrommel" (1959), "Katz und Maus" (1961) und "Hundejahre" (1963) vor und wurde dafür gefeiert. Diese Werke begründeten seinen Einfluss auf die deutsche Nachkriegsliteratur, die im Jahr 1999 mit der Verleihung des Nobelpreises für Literaur geadelt wurde.

Im Anschluss an diese Einführung erfreute Johannes Eidt die Vernissagegäste noch einmal mit seinen oft recht philosophischen Liedertexten. Hier ein Ausschnitt davon:


 

 

Nachstehend einige Eindrücke aus der Vernissage:





Besucher während der Einführung

Besucher der Vernissage

Tänzer

Oskar mit der Blechtrommel

Vernissagegäste



Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass viele Wiesmoorer dieses erstklassige Kulturangebot auch annehmen -  kommen, anschauen und wahrnehmen, dass hier ein großartiges Angebot offeriert wird.

Kunst eines Nobelpreisträgers in Wiesmoor!