Dienstag, 14. Januar 2014

Gegen Freileitung - für Erdkabel

Unter diesem Motto traten heute, am 14. Januar 2014 um 17 Uhr, etwa 200 Demonstranten an, um gegen die geplante Ertüchtigung der Wiesmoor querenden Hochspannungsleitung und für den Einsatz eines Erdkabels zu demonstrieren. Vor einiger Zeit war ja bereits eine Demonstration mit gleichem Begehren abgehalten worden, die den Betreiber der Hochspannunsleitung, den Konzern E.on  aber nicht beeindruckt hatte - er hielt an den Plänen fest.

Dagegen klagt die Stadt Wiesmoor vor dem Verwaltungsgericht in Lüneburg.

Eine neue Dimension erhielt die Entwicklung durch den Bruch eines Hochspannungskabels im Bereich Birkhahnweg, dessen längeres Kabelende in unmittelbarer Nähe von Wohnhäusern in deren Garten fiel - siehe
http://wiesmoor-info.blogspot.de/2014/01/110-kv-kabel-einer-hochspannungsleitung.html


Hauptkreuzung und Sparkasse
Hier ist die Situation, wie sie sich an Wiesmoors Hauptkreuzung, unmittelbar an das Umspannwerk grenzend, darstellt. Ein brechendes Kabel würde beim Sturz auf die Kreuzung oder die dahinter liegende Kreissparkasse sicher nicht so glimpflich ablaufen, wie es für diese jungen Leute ausgegangen ist, deren elterliche Grundstücke am 9. Januar direkt betroffen waren.

Celina Behrends, Anja Behrends, Bettina Böhm, Marcel Behrends
Klaus Renken, Organisator

Nach der Eröffnung der Demonstrationsveranstaltung durch den Organisator, Klaus Renken, ergriff Bürgermeister Alfred Meyer das Wort.

Alfred Meyer
Alfred Meyer erinnerte daran, dass fast auf den Tag genau vor 25 Jahren zwei Flugzeuge über Wiesmoor kollidiert waren und abstürzten. Auch dort war, wie durch ein Wunder, kein Anwohner Wiesmoors zu Schaden gekommen. Allerdings waren die beiden britischen Piloten des Tornados ums Leben gekommen. Auch der Kabelbruch vor wenigen Tagen hätte leicht auch katastrophal enden können! Er wies darauf hin, dass es bei Technik keine 100%ige Sicherheit geben könne, insbesondere nicht, wenn mehrere Komponenten zusammen wirken würden. Durch das jetzige Geschehen erhielt die Forderung der Stadt Wiesmoor, die Hochspannungsleitungen aus dem bewohnten Gebiet der Stadt heraus zu halten, noch einmal eine besondere Aktualität. Die Stadt verlangt, Hochspannungsleitungen, egal ob Freileitung oder Erdkabel, aus dem Siedlungsgebiet heraus zu halten und hatte bereits Umgehungstrassen angeboten, die von E.on bisher aber nicht akzeptiert wurden. Nun hofft man, durch die Planfeststellungsklage in Anbetracht der veränderten Situation, doch noch erfolgreich zu sein.

Gerade heute erhielten wir einen Telefonanruf einer Bürgerin aus Chemnitz, die vor einiger Zeit auch ein Hochspannungskabel in ihrem Garten vorgefunden hatte. Dieses Kabel war wesentlich jünger, als das jetzt in Wiesmoor geborstene Kabel. So selten und statistisch unbedeutend, wie R.on das darzustellen versucht, sind solche Zwischenfälle nicht - da erinnert man sich auch an die vielen vor einigen Jahren durch Eisregen geborstenen Masten und Kabel im Münsterland.

Pressesprecherin E.on

Die Pressesprecherin der E.on entschuldigte sich zwar im Namen des Konzerns, konnte aber keine Änderung des Konzernstandpunkts erklären.

Friedhelm Jelken, CDU, Fraktionsvorsitzender
Klaus-Dieter Reder, CDU-Vorsitzender
Es sprachen weiterhin Friedhel Jelken, Klaus-Dieter Reder und Friedrich Völler. Tenor ihrer Reden war die geäußerte Enttäuschung über E.on, die sich nicht bewegen wollten. Völler wies darauf hin, dass E.on ja aus den Nordwestdeutschen Kraftwerken, die hier im Wiesmoorer Kraftwerk ihren Ursprung hatten, hervorgegangen sei. Wiesmoors Bürger seien durchaus pro Energie eingestellt - es habe aber inzwischen eine technische Entwicklung stattgefunden und es seien auch neue Gefahren und Risiken dieser Technologien erforscht worden. Deshalb forderte auch er, dass E.on dem Rechnung tragen möge und sich den Forderungen der Stadt nicht länger verschließen solle


Friedrich Völler
Weiterhin meldeten sich zu Wort Edgar Weiss und Wolfgang Sievers *) aus dem Bündnis gemeinsam für Wiesmoor. Danach noch Marion Fick-Tiggers.

Besucher der Demo

Besucher der Demo

Besucher der Demo
N3 Fernsehen war ebenfalls vor Ort und schaltete gegen 18 Uhr in eine Livesendung mit einem Interview des Ratsherrn Edgar Weiß, der sich wegen dieses Themas bereits sehr verdient gemacht hatte.

Edgar Weiss im Interview

Die Feuerwehr Wiesmoor hatte in dankenswerter Weise die Ausleuchtung des Versammlungsortes übernommen.


Feuerwehr Wiesmoor
Ohne Bild: Pastor Rainer Münch, Hinrichsfehn, der die jungen Leute vom Birkhahnweg seinerzeit getauft hatte und junge Menschen seiner Gemeinde nicht vorzeitig beerdigen möchte, weil ein möglicher Sicherheitsstandard vom Netzbetreiber aus ökonomischen Gründen nicht angewandt worden sei.


*) Nachtrag: Der Name des Redners war versehentlich falsch geschrieben worden, er wurde inzwischen berichtigt.